Kleine Erkenntnisse aus dem Alltag

„Die Dinge haben viel weniger oft mit uns persönlich zu tun, als wir es meinen.“ Zu dieser Erkenntnis, die für viele vielleicht selbstverständlich sein mag, bin ich in der letzten Zeit öfters gekommen. Ich kenne es sonst nur zu gut von mir, dass ich alles Mögliche auf mich beziehe und Fehler bei mir suche – selbst dann, wenn es objektiv betrachtet nichts mit mir oder meinem Verhalten zu tun hat. Doch das Objektive ist in diesen Momenten manchmal schwer zu erkennen.

Nun habe ich neuerdings einen andere Zugang zu solchen Themen: Ich kann sehen, dass so manches Problem einfach nur das des anderen ist und ich es mir überhaupt nicht „überziehen“ muss: z.B. die unfreundliche Kassierin, die mich mürrisch ansieht und vielleicht einfach einen schlechten Tag hat – das muss noch lange nicht heißen, dass ich ihr unsympathisch bin oder etwas Falsches gesagt habe (und wenn, wäre das eigentlich schlimm?). Oder die Umstrukturierung am Arbeitsplatz mit neuen Aufgaben auch für mich – das ist einfach eine Umstrukturierung, deren Gründe ganz vielfältig sind, aber nicht an meiner Person hängen. Oder die Bekannte, die eine spitze Bemerkung fallen lässt –  vielleicht ein Ausdruck ihrer eigenen Unzufriedenheit, Neid etc. Die Bemerkung mag verletzend sein für uns, aber letztlich ist es doch einfach eine Selbstauskunft der anderen Person und wir müssen sie nicht so persönlich nehmen. Aus dem buddhistischen Schweigeretreat von letztem Jahr fällt mir dazu ein: „Die Dinge sind manchmal zutiefst persönlich, zugleich aber auch völlig unpersönlich.“ Wenn ich mich recht erinnere ist damit gemeint, dass jeder von uns in seinem Leben leidvolle Situationen erlebt und kein Mensch von allem verschont bleibt – das ist einfach so, ob wir es wollen oder nicht. Wenn wir aber leidvolle Situation erleben, sind sie wiederum natürlich sehr persönlich für uns – denn jeder will glücklich und gesund sein.

Es ist jedenfalls ganz schön befreiend, wenn man plötzlich nicht mehr alles mit der eigenen Person verstrickt sieht, wenn man Interpretationen einfach Interpretationen sein lässt und bei sich selbst und mit sich im Reinen bleiben kann. Puh, warum eigentlich nicht schon früher! Scherz beiseite, ich bin sehr dankbar, dass ich diese Erkenntnis machen darf und schreibe sie der täglichen Meditation und viel Selbstreflexion zu. Die Arbeit trägt Früchte und das freut mich sehr. 🙂 Und dennoch wird es wieder Momente geben, in denen mir die reflektierte Sichtweise schwerfallen wird. Es ist ein Auf und Ab, ein ständiges Dazulernen, wieder Hinfallen, wieder Aufstehen… ein immer Dranbleiben.

In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen Abend, frei von Interpretationen und Sorgen anderer, die ihr euch ebenfalls nicht zu Eigen machen müsst 😉

 

4 Kommentare zu „Kleine Erkenntnisse aus dem Alltag

  1. Hi Judith,
    Schön mal wieder von dir zu lesen.
    Ich kann deine Gedanken sehr gut nachvollziehen.
    Mir fällt ein Zitat von Kabarettist Gery Seidl ein: „In 40.000 Jahren ist´s wuarscht ob du eine Doppelgarage gehabt hast oder nicht“.
    Das sagt im Prinzip ja aus, dass es eigentlich nix bringt wenn man sich Gedanken und Sorgen über „unwichtige“ Dinge macht….

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  2. so schön, wieder von dir zu hören! Und dieses „Verantwortung für sich übernehmen“ und zugleich die Verantwortung für die Reaktionen anderer beim anderen zu lassen empfinde ich auch immer wieder als sehr wichtigen Schritt im „achtsamer werden“. Liebe Grüße!

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    1. Danke dir, liebe Julia! Das hast du schön und treffend gesagt… es ist ein achtsames Grenzen setzen und ist es wert, immer wieder genau hinzusehen: was gehört zu mir und was zum anderen. Danke dir für deinen Kommentar und deine „Blog-Treue“. 🙂

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