Achtsamkeit verändert…

img_4513.jpgIn der Adventszeit ist mir mehrfach aufgefallen, wie anders ich die Welt heute wahrnehme als ich das noch vor einem oder zwei Jahren tat. Gewohnheiten, die mir früher wichtig waren, sind es heute nicht mehr… andere Dinge, die mich genervt haben, stören mich nun weniger. Ich finde es interessant und schön zu sehen, wie man sich durch das Kultivieren von Achtsamkeit und durch die tägliche Meditation mit der Zeit verändert.

Ich möchte einige Beispiele geben:

Der obligatorische Besuch am Weihnachtsmarkt war früher ein Highlight für mich. Heute finde ich es nett, mal durchzuschlendern und in Gesellschaft was zu trinken, aber nach kurzer Zeit wird mir das Getümmel und die vielen Eindrücke zu viel. Es scheint mir, als wäre ich offener und aufnahmefähiger geworden und müsste mich besser schützen vor zu vielen Reizen. Das finde ich nicht weiter schlimm – im Gegenteil: Ich freue mich daran, dass ich mit „mir sein kann“ und genieße die Stille zu Hause in der Meditation oder sonstigen ruhigen Momenten. Man wird deswegen auch nicht gesellschaftsunfähig oder gar misanthropisch 😉

Früher liebte ich es, immer und überall Musik zu hören (daheim, im Auto, in der Arbeit). Oft klimperte der Radio einfach im Hintergrund, ohne dass ich bewusst hinhörte. Heute schätze es die meiste Zeit, wenn es ruhig ist. (Das hat sicher auch damit zu tun, dass unser kleiner Sohnemann meistens genug Krach macht und es nicht noch zusätzliche Lärmquellen braucht!). Und doch – so denke ich – bedeutet es, dass ich mich und meine Gedanken/Gefühle nun besser „aushalten“ kann und nicht durch andere Reize von mir ablenken muss.

Als ich gestern in aller Herrgottsfrühe die Lebensmittel für die Weihnachtsfeiertage einkaufte,  herrschte bereits reger Trubel im Geschäft. Normalerweise war das eine Situation, die mich sehr gestresst hat und ich habe immer schnellstens versucht, meine Dinge zu erledigen und wieder rauszukommen. Das führte oft dazu, dass man mit den Einkaufswagen zusammenstieß und andere mürrische und gestresste Gesichter um sich sah. Gestern war es anders: Ich atmete tief durch, konzentrierte mich auf meine Einkaufsliste und wo die Dinge zu finden waren. Ich ging ruhig und langsam. Ich nahm die Geräusche wahr – das Gemurmel der Menschen, freundliche, aber auch gestresste Begegnungen. Ich bemerkte, wie gut wir es in unserem Land hatten, in dem die Regale prall gefüllt sind und wir uns alles zum Essen kaufen können, was wir brauchen. Ein Gefühl von Dankbarkeit überkam mich. An den Kassen bildeten sich sehr lange Schlangen. Die Kassiererinnen arbeiteten auf Hochtouren und das Scangeräusch ging im Sekundentakt. Wie mussten sich wohl diese Frauen fühlen, wenn sie hier in diesem Trubel einen ganzen Tag an der Kassa saßen? Dabei immer freundlich bleiben und konzentriert sein. Unter diesem Gesichtspunkt kam es mir schäbig vor, dass ich mich früher über das Einkaufen an Weihnachten beschwert habe – ich, die nur einige Minuten im Geschäft sein musste und dann bequem nach Hause gehen konnte. In diesem Moment war ich den Kassiererinnen zutiefst dankbar für die wertvolle Arbeit, die sie machten. Und ich freute mich schließlich sehr daran, dass dieser Einkauf für mich kein stressiger, sondern ein wahrlich achtsamer war.

Es geht hier nicht um Perfektionismus oder das Auf- oder Abwerten von Gewohnheiten… ich stelle nur für mich fest, dass ich mich mehr bei mir, zufriedener und dankbarer fühle durch meine tägliche Übungen.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest mit Euren Lieben. May you all be happy and in peace 🙂

3 Kommentare zu „Achtsamkeit verändert…

  1. Liebe Judith,
    Du hast einen wunderbaren Beitrag über die Hektik und den Lärm in der Vorweihnachtszeit geschrieben. Vor allen Dingen hat es mich gefreut zu lesen, dass die Kassíererinnen zu Kaiserinnen mutierten.
    Mir fiel dabei ein, wie es mir ergeht, wenn ich in einer Warteschlange eingepfercht stehe. Nicht vorwärts, oder zurück können. Immer noch, oder immer wieder unangenehm. Da schalte ich auch ab, schaue nicht auf mich und meine Empfindungen, sondern begebe mich auf wundersame Reisen ( Kurzreisen). Auch eine Art Meditation.
    Ich wünsche Dir achtsame Tage zwischen den Jahren und darüber hinaus.
    L.G. Hilde

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    1. Liebe Hilde, vielen herzlichen Dank für deinen Kommentar und das nette Feedback, über das ich mich sehr gefreut habe 🙂 Oje, da hat mir die Autokorrektur wohl einen Streich gespielt 😉 Wird gleich mal richtiggestellt!!
      Schön, was du von deinen „Kurzreisen“ schreibst, das hilft in so einer Situation bestimmt auch gut. Ich wünsche Dir einen guten Start in das neue Jahr – Gesundheit, Glück und Frieden! Liebe Grüße Judith

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