#Zitate & Gedichte: Nicht-Selbst

Passend zur Nachlese von gestern…. 🙂
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Bloß Leiden gibt es, doch kein Leidender ist da.
Bloß Taten gibt es, doch kein Täter findet sich.
Erlösung gibt es, doch nicht den erlösten Mann.
Den Pfad gibt es, doch keinen Wand’rer sieht man da.
Von Dauer, Schönheit, Glück, Persönlichkeit
Ist leer die erste und die zweite Wahrheit,
Von Ichheit leer das todlose Gebiet,
Und ohne Dauer, Glück und Ich der Pfad.

Aus dem Palikanon

15 Kommentare zu „#Zitate & Gedichte: Nicht-Selbst

      1. Eine schöne Auslese hast du hier zusammengestellt – Buddhas Weisheiten sind großartig und helfen in so vielen Lebenssituationen weiter. Schön, dass du deine eigene Interpretation ergänzt hast 🙂

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      2. 🙂 Schön finde ich sie! Da ist Vieles dran, was ich auch unterschreiben würde… in der Praxis ist es oft einfach sehr schwierig umzusetzen (z.B. Herzensgüte auch dann zu zeigen, wenn wir mit Hass konfrontiert werden). Wichtig ist dahinter aber einfach die Absicht: Wie will ich in die Welt hinaustreten, mit anderen Menschen (und mir selbst) umgehen? Wenn man das für sich klärt und festgelegt hat, dann geht Vieles selbstverständlicher und einfacher – und es kommt aus einem selbst heraus, anstatt aus Moralvorstellungen („man sollte so oder so sein“).
        Aufpassen würde ich nur, wenn es darum geht, „nur positiv“ zu denken. Mir gefällt hier der Ansatz der Achtsamkeit besser – alles wahrnehmen, was ist (seien es positive, neutrale oder negative Gedanken und Gefühle) und dann nicht zu sehr in die negativen Gedanken reinzugehen bzw. die positiven auch wieder loszulassen.
        Alles Gute für dich, Judith

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      3. Hallo liebe Judith,

        herzlichen Dank für dieses Feedback. Ich gebe Dir recht, alles nur positiv zu sehen, ist problematisch, kann man ja auch nicht mit der rosaroten Brille durch die Welt laufen. Reflexion und Achtsamkeit, sensibel auf die Situationen reagieren, macht da sicher mehr Sinn.

        Alles Gute auch für Dich
        Liebe Grüsse
        Thomas

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  1. Jetzt muss ich als Laie in Sachen Buddhismus doch nochmal nachfragen:
    Stellt das Zitat eine Art Interpretation der sogenannten 4 edlen Wahrheiten dar?
    Die 4 edlen Wahrheiten werden zweimal erwähnt und zwei davon werden mit „leer“ kommentiert.
    Wie ist das zu verstehen?

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    1. Genau, das Zitat steht im Zusammenhang mit den vier edlen Wahrheiten im Buddhismus. Ganz einfach gesagt bedeutet es, dass wir gar nichts im Leben persönlich nehmen müssen, weil jeder von uns Leiden erfährt und Leiden einfach zum Menschsein dazugehört. Das ist es, was hier mit „leer“ gemeint ist: Es ist niemand da, der leiden muss, weil das Leiden eben unpersönlich ist. Alle vier edlen Wahrheiten können im Grunde als „leer“ betrachtet werden. Ich hoffe, das ist verständlich? Ich bin keine Buddhismus-Expertin, sondern lese mich selbst erst ein und lerne dazu. 🙂 Hier wäre eine Quelle mit weiteren Infos: http://www.palikanon.com/wtb/sacca.html

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      1. Vielen Dank für Deine Antwort und den Link. Die Ausführungen haben mir vieles deutlich gemacht und erklärt – in einfachen und klar verständlichen Worten.

        Ich kann damit jetzt gut verstehen, warum der Buddhismus für viele eine große Anziehung hat und eine große und stabile Stütze ist.

        Wenn ich allerdings diese Erklärungen für mich betrachte, so fehlt mir der Bezug zu einer zutiefst menschlichen Fähigkeit: der Liebe (zumindest in diesen Texten). Die Hoffnung wird deutlich angesprochen. Der Glaube ist für mich implizit in den Worten enthalten. Nur von Liebe kann ich nichts erkennen, einer Art übergeordnete Erlösung aus inneren Verstrickungen, die man (in bestimmten Voraussetzungen) nicht alleine Lösen kann und bei denen man auf die Bereitschaft anderer angewiesen ist. Andere, die als Zeugen bereit sind, einen Teil der „Last“ zu übernehmen.
        (Was ich hier unter „Liebe“ verstehe, habe ich mal in der Kurzgeschichte „Das Gespräch“ zusammengefasst.
        ankordanz.wordpress.com/kurzgeschichten/das-gespraech/ )

        Aber vielleicht steht dieser Bezug ja wo anders. Würde mich jedenfalls interessieren.

        Liebe Grüße

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      2. Vielen Dank für deinen Kommentar und deine Fragen, die ich sehr schätze. Im Buddhismus wird oft die Meditation der „Liebenden Güte“ (Metta) praktiziert, welche einige Parallelen zu dem hat, was du schreibst. Zuerst wird dabei „Liebende Güte“ für einen geliebten Menschen geübt (in Form von „mögest du“-Sätzen, z.B. glücklich und gesund sein), dann wird Metta für sich selbst und weiter für alle Lebewesen praktiziert.
        Was es nicht gibt im Buddhismus ist ein Gott, der verehrt wird und der die Geschicke lenkt. Ich (aus meiner persönlichen Geschichte) finde gerade das sehr befreiend, da ich mich nicht abhängig mache von anderen oder einer höheren Instanz. Ist das so verständlich? Ich suche noch eine Quelle, die das Ganze profunder wiedergibt 😉

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      3. Nochmals vielen Dank für die Antwort und die (unten stehenden) Links.

        Mit dem „implizit enthaltenen“ Glauben meinte ich z.B. den Glauben an die „Wahrhaftigkeit“ der 4 edlen Wahrheiten. Wichtig ist mir hier der Aspekt des Glaubens – nicht der Aspekt, worauf der Glauben ausgerichtet ist. Ein Gott ist damit auch für mich nicht zwingend – allerdings ermöglicht mir dieses Konzept ein paar erklärende Gedanken, die ich ohne einen „Gott“ (bis jetzt) nicht vollständig zustande bringen könnte.
        (Was ich hier (unter anderem) unter Gott verstehe habe ich hier versucht zu definieren: ankordanz.wordpress.com/bedeutungen/was-ist-gott/ )

        Und auch ermöglicht ein „gütiger, liebender Gott“, das ich die ganze Last meiner Entwicklung nicht alleine tragen muß. „Er“ ist damit immer ein Zeuge, der einen Teil meiner Last übernimmt, wenn ich in einem schwachen Moment meiner eigenen Unvollkommenheit mal wieder zum Opfer falle. Und solange ich im Leben bin – im Samsara -, bin ich unvollkommen.

        So lebe ich (bis jetzt) lieber im „weiblichen“ Sinne (in der Materie) eine tätige Liebe – mit Fehlern, Verhaftungen und eigenem Leid. So erschaffe ich weiteres Leid, sicher, aber ich bin nun mal hier. Der „männliche“ Weg (im reinen Geiste), sich ausschließlich auf die eigene Erleuchtung zu konzentrieren – zu der als wesentliche Grundlage das Metta gehört, die liebende Güte, mit der man letztendlich andere (alles) betrachtet – ist für mich (in diesem Sinne) Gott vorbehalten. Er greift nicht mehr ein – aus Liebe. Aber er läßt mich damit auch Leiden, weil ich es noch nicht besser weiß. Er läßt mir meine Zeit und meinen Weg, damit ich in meiner Geschwindigkeit lernen kann (siehe „Das Gespräch“).
        Ein Gedanke, zum Beispiel, in dem ein Gott die Polarität zwischen seiner Vollkommenheit und meiner Unvollkommenheit erkennbar macht, ohne das Gedankengerüst des Buddhismus zu verlassen, welches ich, soweit ich es kenne, sehr gut und interessant finde. Jenseits der Polarität – im Nirvana oder ähnlichem – wird es allerdings schwieriger. Darüber habe ich noch nicht viel nachgedacht…

        Aber vielleicht liegt es auch an der christlich geprägten Kultur, in der ich aufgewachsen bin.
        Viele liebe Grüße

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      4. Das sind sehr schöne Gedanken, die du hier niedergeschrieben hast! Beeindruckend analysiert, chapeaux 🙂 Ich denke, man könnte darüber noch lange und ausführlich philosophieren, ein spannendes Thema. Letztlich ist es natürlich eine sehr persönliche Frage, ob ich mich einer Religion zugehörig fühle und wenn ja welcher und aus welchem Grund. Ich bin sehr katholisch aufgewachsen, fand aber dort (leider) nie den Halt, den mir die buddhistische Philosophie und Psychologie heute bietet. Ich empfinde es als großes Geschenk, durch meine heutige Spiritualität so viel Sicherheit und Vertrauen in mich und das Leben zu erfahren und es freut mich, wenn es anderen Menschen auch so ergeht (egal welchem Glauben sie angehören).
        Ich schaue gerne wieder in deinem Blog vorbei 🙂 Liebe Grüße Judith

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      5. Vielen Dank für Deine Offenheit – im wörtlichen wie im übertragenen.
        Ich bin keiner institutionalisierten Religion zugehörig, fühle mich aber sehr religiös bzw. spirituell verbunden.
        Auch aus diesem Grund: vielen Dank für Deine immer wieder sehr bereichernden Gedanken.

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