Schweige-Retreat – erste Nachlese

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Es ist ein bisschen still geworden auf meinem Blog. Zurück aus dem Schweige-Retreat und dem Urlaub mit meiner Familie, habe ich in den letzten Wochen fast jede freie Minute genutzt, um zu meditieren und zur Ruhe zu kommen – etwas, das mir in der Schweigewoche sehr gut getan hat und ich noch lange mit in den Alltag nehmen möchte. Deshalb ist die „digitale Welt“ ein bisschen auf der Strecke geblieben, aber ich habe Eure Blogs (und meinen eigenen) nicht vergessen und schaue gerne wieder bei Euch rein 🙂

Ich möchte heute ein wenig berichten über meine Erfahrungen beim Schweige-Retreat. Mittlerweile liegt es einen Monat zurück, was mir wie eine Ewigkeit vorkommt (vielleicht auch darum, weil es schlagartig Herbst geworden ist!). Und doch sind die Eindrücke täglich präsent und ich zehre noch sehr von der inneren Einkehr und den wunderbaren Inputs unserer Retreatleiterin Christiane Wolf. Fast habe ich mich nicht getraut, irgend etwas darüber zu schreiben… zu „heilig“ kam mir die Erfahrung vor, nicht in Worte zu fassen, nur direkt erlebbar. Und trotzdem will ich mich daran versuchen… vielleicht werde ich die Nachlese in ein paar Teilen erstellen, weil ich nicht alles in einen Artikel packen kann und möchte.

Zunächst mal der Tagesablauf: Um 5.45 Uhr klingelte mein Wecker. Ich machte mich kurz frisch und ging zum Meditationssaal, der sich nach und nach zu füllen begann (wir waren ca. 60 Teilnehmer). In der Morgendämmerung starteten wir mit sanften Yogaübungen oder Bodyscan –  es war wirklich schön, den Tag so zu begrüßen, dem Vogelgezwitscher zu lauschen und das Flackern der Kerze zu beobachten, die uns morgens und abends beim Meditieren begleitete. Danach um 7.30 Uhr gab es Frühstück, natürlich im Schweigen, so wie wir das auch bei jeder anderen Mahlzeit taten. Von 9 bis 12.30 Uhr praktizieren wir abwechselnd Sitz- und Gehmeditationen. Anfangs hatte ich ziemlich Mühe, in die vollkommene Stille einzutauchen, zumal es auch wenig Anleitung bei der Meditation gab. Mein Geist war noch sehr beschäftigt und musste sich erst daran gewöhnen, dass es mal nichts zu tun, überlegen, hinterfragen und niemand zuzuhören gab 😉 Ab dem dritten Tag wurde das Gedankenkarussell dann langsamer und ich fühlte mich mehr und mehr da, wo ich gerade war – auf meinem Meditationskissen, atmend, hörend, mal in Gedanken, mal in Gefühlen. Ich nahm mehr die Rolle des Beobachters ein, als dass ich mit dem verstrickt war, was in mir und um mich herum passierte. Das war eine sehr beeindruckende Erfahrung, die ich zuvor nicht in dieser Tiefe kennengelernt hatte. Zeitgleich begann aber mein Körper Schwierigkeiten zu bereiten. Mein Rücken und meine Hüfte taten weh vom langen Sitzen. Meine Beine schliefen ständig ein. Es half, zu sehen, dass es nicht nur mir so erging, sondern rundum fast jeder zu kämpfen hatte! Unsere Lehrer sprachen solche Themen auch an und zeigten, wie wir uns mit verschiedenen, abwechselnden Sitzpositionen behelfen konnten. An den Nachmittagen ging es mir meistens körperlich besser, da wir zwischendrin Yoga und Metta Meditation praktizierten und nicht so viel saßen wie vormittags.

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So sah es in unserem Meditationssaal aus… das Seminarhaus war ringsum umgeben von Natur.

Extrem wertvoll empfand ich die Dharma Talks, die unsere Retreatleiterin jeden Abend hielt. Sie gab uns ihr buddhistisches Wissen auf sehr kompetente, lebensnahe, humorvolle und mitfühlende Art weiter. Beispielsweise ging es im Dharma Talk darum, wie wir mehr Momente der Freiheit in unser Leben bringen können – d.h. Momente, in denen wir bewusst entscheiden können, was wir tun und nicht getrieben sind, sofort und automatisch auf einen Reiz zu reagieren (was ja jedem von uns immer wieder passiert). Die Lehre Buddhas und die Meditation helfen uns, aus diesem Automatismus auszusteigen. Alleine diese Erkenntnis empfand ich sehr befreiend und erleichtert mir mein Leben tatsächlich.

In den Gruppengesprächen, die wir jeden zweiten Tag hatten, äußerten manche Teilnehmer (inklusive mir!) den Wunsch, länger mit unserer Retreatleiterin in Verbindung zu bleiben. Das ist nicht ganz einfach, weil sie in den USA lebt, aber dank Internet und verschiedenen Retreats, die sie immer mal wieder in Deutschland und Österreich hält, gibt es doch Chancen, dabei und „mit ihr“ zu bleiben, hoffentlich 😉

Ich denke, für heute ist es mal gut bis hierhin… sobald ich wieder Zeit und Muße habe, werde ich weiter über die Erfahrung „Schweige-Retreat“ reflektieren und sie natürlich auch gerne hier beschreiben.

Alles Liebe wünsche ich Euch inzwischen, Judith

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19 Kommentare zu „Schweige-Retreat – erste Nachlese

    1. Danke dir, Chris! Der erste Tag zurück im Alltag war schon speziell… als wäre ich aus einem Traum aufgewacht. Zum Glück waren wir dann gleich im Urlaub, sodass ich noch ein paar Tage Schonfrist hatte… das hat mir wirklich gut getan. Sonst stelle ich mir den Übergang in den Alltagswahnsinn schon schwierig vor 😉

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  1. Tolle Erfahrungen, die Du machen durftest. Wunderbar! Ich drücke Dir sehr die Daumen, dass Du das, was Du für wert hälst, in Deinen Alltag übernehmen kannst.
    Ein wenig erinnert es an das Buch, in dem die Frau über ihr Retreat in einem buddhistischen Kloster schreibt.

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    1. Vielen Dank 🙂 Ich hoffe, dass ich noch lange davon zehren werde und dass ich das, was ich verstanden habe, langfristig mitnehmen kann. Es wird sich dann zeigen wie gut das gelingen wird… 😉
      An das Buch (die Mönche und ich) habe ich auch einige Male gedacht – es war das, das du mir geschenkt hattest 🙂 Danke nochmals!

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  2. Klasse Erfahrung und prima, dass du es einfach mal versucht hast.
    Ich hatte in diesem Frühjahr das Glück, ein Yoga- und Vipassana-Retreat-Wochenende mitzumachen. Für mich war das Schweigen und Meditieren auch die größte Herausforderung und ich zolle dir Respekt, dass du das eine Woche lang durchgezogen hast.

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    1. Super, Aurélie, dass du auch schon an einem ähnlichen Retreat teilnehmen konntest. Es ist wirklich eine tolle Erfahrung und ich hoffe sehr, dass ich das in einiger Zeit wieder machen kann. Dieses war auch ein Vipassana-Retreat…. das Schweigen empfand ich gar nicht so schwierig, eher dann die körperlichen Beschwerden und die ersten Tage mit kreisenden Gedanken und Unruhe. Ich glaube, wenn man die ersten Tage hinter sich hat, ist es danach gar nicht mehr so schwierig 😉

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  3. Ich erinnere mich… bei mir ist dieses Ausbildungs-Retreat jetzt fünf Jahre her, aber vieles ist mir noch sehr intensiv in Erinnerung. Meines war bei Bob Stahl. Aber ich kenne das Buch von Christiane Wolf, sie ist sicher eine sehr gute Lehrerin!

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    1. Danke, Julia, für deinen Kommentar… bei Bob Stahl sollen die Retreats ja auch so toll sein. Ein paar aus unserer Gruppe haben es dieses Jahr bei ihm gemacht. Das Buch von Christiane Wolf werde ich mir auch noch kaufen…
      Warst du eigentlich auch im Arbor-Grundlehrgang? Und hast du danach noch weiter gemacht?

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  4. so dies und das 😉 Ich bin auch sehr an Katharina Martin angebunden und an Thich Nhat Hanh. Ich würde gerne mal Kontakt mit dir aufnehmen, dein Blog wird wunderschön und wächst und wächst, ganz fein!

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