Erfahrungen aus dem Achtsamkeitslehrgang

Wie die Zeit vergeht… mittlerweile ist schon die Hälfte des Achtsamkeitslehrgangs vorüber gegangen. So langsam macht sich bei mir und vielen anderen Teilnehmern die Wehmut über das herannahende Ende breit. Doch noch ist es nicht so weit – das Glas ist schließlich fast halb voll 😉

Die letzten Seminarwochenenden waren den Themen „interpersonelle Achtsamkeit“ und „achtsames Selbstmitgefühl“ (Mindful Self Compassion =MSC) gewidmet. Beides waren sehr interessante, intensive, zuweilen auch emotionale Tage. Bei der interpersonellen Achtsamkeit geht es um das, was zwischen uns Menschen passiert, wenn wir uns begegnen (d.h. mit welcher Haltung sind wir hier, wie gelingt es, mehr Menschlichkeit zu zeigen). Einen Satz aus dem Kurs habe ich mir dabei besonders gemerkt, den ich gerne mit euch teilen möchte: „Jeder hat ein inneres Licht in sich, einen sogenannten ‚inneren Buddha‘ – versuche immer, diesen inneren Buddha im anderen anzusprechen (selbst, wenn er noch so verborgen ist!)“. Ich finde das eine sehr schöne Haltung, die grundsätzlich vom Guten und Heilen in Jedem von uns ausgeht.

Viel Selbsterfahrung, (meistens) gute Gefühle

Neben solchen theoretischen und philosophischen Inputs, die größtenteils aus dem Buddhismus stammen, haben wir wieder bereichernde Meditations- und Reflexionsübungen gemacht: z.B. mit offenem Herzen in uns lauschen, achtsam zuhören und in Resonanz sein mit dem Gegenüber oder eine Übung, um unsere Ressourcen aufzuspüren. Für meinen Geschmack war das Programm etwas zu dicht mit Partner- und Gruppenübungen gefüllt. Die letzte Übung musste ich deswegen sogar auslassen, da es mir einfach zu viel an Austausch war.

Das MSC-Wochenende war dann überraschend entspannt – es gab wenig Theorieinput, wenige Gruppenübungen, dafür viele geführte Meditationen mit Visualisierungen (was ich besonders gerne mag). Ich fühlte mich sehr angekommen und nehme das Gefühl nach wie vor mit.

Sehr hilfreich sind für noch immer die Metta-Sätze („möge ich gesund sein, möge ich sicher sein…“), die ich täglich formell und im Alltag gebrauche und die mir sehr viel Halt geben. Metta Meditation ist eine wichtige Säule beim Themenkomplex „achtsames Selbstmitgefühl“ und ich kann alleine schon aus meiner bisherigen Erfahrung sagen, dass sie für viele Menschen sehr berührend und heilend ist.

Zwischendurch war ich im Kurs aber auch mit weniger angenehmen Gefühlen konfrontiert. Als Tagesgast im Seminar fühlte ich mich nicht immer ganz zugehörig zur Gruppe (die meisten übernachten am Seminarort und stehen dadurch in engerem Kontakt). Ich kam mit sehr alten Gefühlen (aus der Schul- und Jugendzeit?) des Getrenntseins in Berührung, die gar nicht so leicht auszuhalten waren. Obwohl ich sonst relativ einfach Anschluss finde, kam es mir vor, als wären die anderen viel stärker miteinander verbunden, würden mehr kommunizieren und zusammen lachen. Es half mir dann zu sehen, dass ich ja selbst auch meine „Lehrgangs-Buddies“ hatte und ich auf meine persönliche Art in gutem Austausch mit ihnen war.

Beim Wochenende zur interpersonellen Achtsamkeit war eine wichtige Erkenntnis für mich, wie schnell ich im Kontakt mit anderen die Führung abgebe (und mich hinterher beschwere, wenn es nicht so läuft, wie ich es mir vorstelle! So eine Überraschung ;-)). Seither versuche ich mehr darauf zu achten, selbst Verantwortung zu tragen und von vornherein klar zu artikulieren, was ich will/nicht will. Gelingt nicht immer, aber zumindest manchmal 😉

Und was kommt als nächstes?

Bei vielen Teilnehmern stellt sich schön langsam auch die Frage, wie es nach diesem Lehrgang weitergehen wird. Wir dürfen uns jedenfalls „Achtsamkeitslehrer“ nennen und die gelernten Techniken und Methoden in unseren Stammberuf integrieren oder eine Meditationsgruppe anleiten. Darüber hinaus können wir einen Aufbaulehrgang besuchen, der uns zu MBSR- oder MSC-Lehrern zertifiziert. Ich überlege immer mal wieder, ob das eine oder das andere (oder beides) für mich passend ist, was zeitlich und finanziell möglich ist und wie ich das Ganze in meinen Beruf integrieren kann… Achtsamkeit und die Qualität, einfach das Hier und jetzt zu erleben, sind so wichtig für mich geworden, dass ich sie jedenfalls weiter kultivieren möchte und mit der Zeit meine Erfahrungen und mein Wissen auch anderen Menschen vermitteln möchte. Ich denke, wenn die Zeit reif ist, wird sich zeigen, in welcher Form das dann möglich ist…

Zunächst steht nun noch ein Schweige-Retreat und dann der Abschluss des Lehrgangs an. Ich bin gespannt darauf… und es wird auch sicher wieder einen Bericht hier geben. Freue mich immer über euren Besuch auf meiner Seite!

 

2 Kommentare zu „Erfahrungen aus dem Achtsamkeitslehrgang

    1. Danke! Ja, Selbstmitgefühl ist ein spannendes Thema… ich empfehle dazu auch das gleichnamige Buch von Chris Germer (habe ich hier im Blog auch rezensiert). Gerne schaue ich bei dir vorbei 🙂

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s