#Rezension: Frag den Buddha – und geh den Weg des Herzens

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Der große buddhistische Lehrer Jack Kornfield hat mit diesem Buch einen Klassiker der spirituellen Literatur geschaffen. Im Original ist es bereits 1993 erschienen – nun, im März 2017 wurde die Neuausgabe veröffentlicht, schön gestaltet mit bunten Ornamenten auf dem Cover. Das 446 Seiten starke Buch bietet einem spirituell Suchenden allerhand Wissenswertes über Meditation, Kontemplation, Achtsamkeit und was wir uns durch eine regelmäßige spirituelle Praxis erwarten dürfen: „inneren Frieden, Ganzheit, Verständnis für uns selbst und für andere, und ein Glück, das nicht von äußeren Umständen abhängig ist“.

Hast du genug geliebt?

Humorvoll beschreibt Jack Kornfield seinen eigenen spirituellen Weg, welcher ihn als Mönch in ein buddhistisches Kloster und wieder heraus führte, um die spirituelle Arbeit und die buddhistischen Lehren für uns Menschen im Westen anzubieten. Er zeigt eindrücklich auf, dass es am Ende unseres Lebens immer nur darum geht, wieviel wir geliebt haben – und nie um Macht, Besitztum, Status oder ähnliches. Vor diesem Hintergrund ist es essentiell, dass wir uns fragen: Lebe ich meinen Weg wirklich ganz und gar, lebe ich ihn ohne Bedauern?

Viele Wege führen zum inneren Frieden

Kornfield betont dabei immer wieder die Vielfalt der Wege, welche zu spirituellem Erwachen führen. Dennoch müsse sich jeder für seinen eigenen Weg entscheiden. Er nennt dies „den einen Sitz einnehmen“. Einmal gewählt, empfiehlt er, bei dieser einen Praxis zu bleiben und sie als Werkzeug oder Floß anzusehen, um die Gewässer des Zweifels, der Verwirrung, der Angst und des Verlangens überwinden zu können (nicht mehr oder weniger ist die spirituelle Praxis). Ähnlich wie in der Psychotherapie, welche Kornfield als wichtige Ergänzung zur Meditation sieht, spielt auch in der Spiritualität die Beziehung zum Lehrer eine große Rolle. Viele unserer Schmerzen stammen aus gestörten früheren Beziehungen und können durch spätere gesunde Beziehungen geheilt werden. So erklärt der Autor: „Wenn wir zulassen, dass unsere schlimmsten Ängste und finsteren Abgründe vor jemand anderem gesehen und mitfühlend akzeptiert werden, lernen wir sie auch selbst zu akzeptieren.“ Und während wir in der Meditation in uns hineinhören und den Liedern unseres Lebens lauschen, finden wir zu einer tiefen und starken Identität, in der unser Herz für alles Raum hat.

Hindernisse auf dem spirituellen Weg

Doch oftmals ist Meditation nicht die wunderbare Erfahrung, die wir uns wünschen. Über weite Strecken ist sie neutral oder zuweilen auch mühsam – und zwar bei jedem von uns. Die häufigsten Hindernisse, die uns in der Meditation begegnen, sind Ärger, Angst, Urteilen, Langeweile, innere Unruhe, Schläfrigkeit, Zweifel. Trotz seiner jahrelangen Praxiserfahrung ist Kornfield selbst nicht davor gefeit, wie er anhand verschiedener amüsanter Beispiele aufzeigt: Als er während einer Seminarpause mit seiner damaligen Partnerin telefonierte, entstand ein Streit unter ihnen. Nach der Pause musste er zurück in den Saal, um die Meditation anzuleiten. Es brodelte in ihm und er beschimpfte seine Freundin innerlich. Es entstand ein Ping-Pong-Spiel zwischen seinen verärgerten Gedanken und den ruhigen Anleitungen, die er den Teilnehmern gab: „Jetzt lenke deine Aufmerksamkeit auf den Atem, spüre wie er kommt und geht“ und dann wieder „So eine Frechheit, was sie da gerade gesagt hat“! Das zeigt uns, dass selbst die größten spirituellen Lehren auch nur Menschen sind und mit ihren eigenen Geschichten im Kopf zu kämpfen haben – dass er die Situation schließlich souverän gelöst hat, liegt gewiss an seiner eigenen tief fundierten spirituellen Praxis.

Das Um und Auf: Integration der spirituellen Erfahrung in den Alltag

Jede spirituelle Praxis bringt uns letztlich nicht viel, wenn wir es nicht schaffen, sie in unseren Alltag zu integrieren. Kornfield zeigt auf, wie wir unseren Dämonen begegnen und die Erfahrungen in unser Leben verankern können. Er unterstreicht mehrfach die Bedeutung eines spirituellen Lehrers auf diesem Weg, welcher uns helfen kann, unser Bewusstsein zu wecken – in einer Gruppe mit Anleitung wäre die Erfahrung um Vieles tiefer und nützlicher für uns, als wenn wir alleine praktizierten. Zugleich verdeutlicht er, dass wir unabhängig bleiben, uns stets eine eigene Meinung bilden und in uns selbst schauen sollen. Das, was wir suchen, ist in uns drinnen – wir finden es nicht außerhalb von uns, nicht beim Lehrer oder anderen Menschen.

Gefahren in der spirituellen Praxis

Der Autor spricht mit Gefahren der Spiritualität ein heikles Thema an. Manche Menschen versuchen durch Meditation in transzendente Bewusstseinszustände zu gelangen und unterstützen dies durch spezielle Techniken, Drogen etc. Und wie anderswo in der Welt, treten auch in spirituellen Gemeinschaften Fälle von Missbrauch von Macht und Status auf – besonders dort, wo der spirituelle Lehrer bzw. „Guru“ für allwissend gehalten und maßlos überhöht wird. Kornfield empfiehlt daher, sehr vorsichtig zu sein bei der Wahl eines spirituellen Lehrers. Er zeigt verschiedene Beispiele auf, wo Menschen vor dem Hintergrund der Spiritualität ausgenutzt (sexuell, finanziell, psychisch) und abhängig gemacht wurden. Wohl auch deswegen ist am Ende des Buches ein Anhang mit ethischen Grundsätzen der Spiritualität zu finden.

Subjektive Eindrücke

Trotz des Umfangs, war das Buch für mich von der ersten bis zur letzten Seite spannend zu lesen und ich habe sehr viel dabei gelernt. Manches war eine Auffrischung für mich – so z.B. die fünf Regeln, welche in der buddhistischen Praxis gelehrt werden. Sehr interessant und kurzweilig zu lesen waren die Beispiele und Anekdoten aus der Praxis des Autors. Er versteht es, humorvoll und trotzdem lehrreich und tiefgründig zu schreiben (und wohl auch zu lehren). Man spürt förmlich seine Herzenswärme und seine Liebe zu den Menschen mit all ihren Schicksalen.

Wenn ich mir noch etwas gewünscht hätte, so wäre es eine beiliegende Audio-CD mit Meditationen gewesen – so wäre es einfacher, die Übungen auszuführen als mit der schriftlichen Anleitung, die an jedem Kapitelende zu finden ist. Das jedoch nur als minimaler Kritikpunkt 😉

Ich kann dieses wunderbare Buch allen empfehlen, die auf dem spirituellen Weg sind und ich werde es gewiss wieder zur Hand nehmen.

Herzlichen Dank an den Verlag für dieses tolle Rezensionsexemplar.

 

Angaben zum Buch

Buchtitel: Frag den Buddha – und geh den Weg des Herzens. Was uns bei der spirituellen Suche unterstützt

Autor: Jack Kornfield

Verlag: Kösel, München

Umfang: 446 Seiten

Erscheinungsjahr: Neuausgabe 2017 (Originalausgabe 1993)

ISBN: 978-3-466-34662-2

7 Kommentare zu „#Rezension: Frag den Buddha – und geh den Weg des Herzens

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