Erfahrungsbericht: wie ich den Auftakt meiner Achtsamkeitsausbildung erlebt habe (Teil 1)

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„Achtsamkeit leben – Achtsamkeit lehren“, so lautet das Motto der Ausbildung, in der ich mich seit vergangener Woche befinde. Der erste Ausbildungsblock wird acht Monate dauern, bestehend aus verschiedenen Wochenendetappen. Im zweiten Block haben wir die Möglichkeit, uns dann selbst zu MBSR-Lehrern zertifizieren zu lassen. Ob ich das machen werde, steht noch in den Sternen… denn zunächst mache ich die Ausbildung mal für mich selbst. Dass ich das „Achtsamkeit leben“ unbedingt nötig habe (wie unachtsam das klingt!!), hat sich mir in den unterschiedlichsten Gefühlskleidern gezeigt. Ich habe ein regelrechtes Feuerwerk an Emotionen erlebt und gehe nun wie auf rohen Eiern zurück in meinen Alltag. Ich fürchte, Worte können gar nicht beschreiben, was ich da erlebt habe. Und doch möchte ich es hier mal versuchen….

Eine bunte Teilnehmermischung 

Wir sind knapp 30 Teilnehmer, Weiblein und Männlein, von Mitte 20 bis um die 60, von Ärzten über Lehrern bis zu Leuten wie mir, die eigentlich in der Wirtschaft arbeiten; von Wien über München bis in die Schweiz, von redselig bis ganz in sich gekehrt – eine wahrlich heterogene Mischung, die in ihrer Gesamtheit sehr spannend ist. Mittwoch abends geht es los, vorsichtig herantastend mit einer kleinen Vorstellungsrunde. Ich bin so nervös, dass ich mich als erste zur Vorstellung melden – nicht weil ich das so gerne tue, sondern nur um es sofort hinter mich zu bringen 😉 (Bei meinem letzten Kurs war ich das Schlusslicht in der Runde, hielt die Nervosität kaum aus und ich konnte den anderen überhaupt nicht zuhören, hampf!). Eine junge Frau aus der Runde ist mir besonders sympathisch und wie sich später herausstellt, gibt es in unseren Leben so manche Parallele – ich frage mich, ob man so etwas ohne Worte spüren kann? Faszinierende Erfahrung jedenfalls und ein schöner neuer Kontakt.

Grenzgeniale Kurlseitung

Unser Kurlseiter Lienhard Valentin gibt uns dann Grundlageninformationen zu Achtsamkeit und dass es in unserem Kurs vorwiegend um das Kultivieren der inneren Haltung, der Seins-Qualität, geht und nicht so sehr um das Tun. Es ist förmlich im Raum zu spüren, wie faszinierend unsere Gruppe Lienhard findet. Mir wird erst jetzt so richtig bewusst, welche Kapazität hier eigentlich vor mir sitzt und ich spüre ein Gefühl von  Demut und Dankbarkeit in mir aufsteigen. Er ist der Gründer und Geschäftsführer des Arbor Verlags und der Arbor Seminargesellschaft, welche sich dem Thema Achtsamkeit verschrieben haben und international erfolgreich sind. Er verfügt über ein enormes Wissen über Achtsamkeit, Pädagogik, Neurowissenschaften etc., das er völlig unprätentiös, humorvoll, menschlich und kompetent vermitteln kann. Er war es auch, der MBSR und Jon Kabat-Zinn erstmals nach Deutschland brachte und hier einem breiteren Publikum vorstellte. Ich sagte abends zu meinem Mann, der sehr begeistert von Steve Jobs und Apple ist. „Du, das ist so, als würdest du die deutsche Version von Steve Jobs treffen“. 😉  Wer also von Euch mal die Gelegenheit hat, ein Seminar bei Lienhard Valentin zu besuchen: Tut es unbedingt! Aber auch seine Co-Referentin in dieser Ausbildung, Sonja Daniels, ist eine beeindruckende Persönlichkeit mit großem Wissen- und Erfahrungsschatz (trotz jugendlichem Aussehen) und leitet uns sehr mitfühlend durch die Übungen.

Essentielle Erfahrung: Du kannst nicht vor dir selbst weglaufen 

Den zweiten Tag beginnen wir mit einer langen Sitzmeditation, gefolgt von achtsamen Körperübungen aus dem Yoga sowie dem Body Scan. Alles in allem üben wir etwa eineinhalb Stunden lang. In der Meditation kommen bei mir die unterschiedlichsten Bilder und Themen auf: Es stimmt mich traurig, wie sehr ich mir selbst oft Druck mache, alles perfekt zu tun – und weil das nicht möglich ist, sehr hart mit mir ins Gericht gehe. Zu Hause wäre wohl der Impuls gekommen, die Meditation zu Ende zu bringen und in den Alltag über zu gehen, wo wir nicht so genau auf uns schauen können. Doch das ist mir in diesem Rahmen nicht möglich. Und ich denke, dass es zu einem Gutteil das ist, warum wir eine solche Ausbildung machen: Wir können eben nicht vor uns fliehen, sehen genau hin und wir haben zugleich den sicheren Rahmen der Gruppe und der Kursleiter, die uns tragen. 🙏

Lerne, deinen Bus selbst zu steuern

Den restlichen Tag über sprechen wir eingehend über die Systeme, die unsere menschlichen Reaktionen und Verhaltensweisen ausmachen: Das Bedrohungssystem, das uns bei Gefahren in Alarmbereitschaft versetzt, das Antriebs- und Motivationssystem, das hauptsächlich mit Botenstoffen arbeitet, und das Fürsorgesystem, die Beziehungen zu unseren Mitmenschen. Der Kursleiter führt auf humorvolle Weise aus, dass jeder von uns ein unterschiedliches Level an Grundzufriedenheit mitbringt (O-Ton: „Manche kommen schon grantig auf die Welt!“). Doch man wisse aus den Neurowissenschaften, dass die Grundkonstitution nur etwa zu 40 Prozent bedingt ist. 60 Prozent haben wir also selbst in der Hand und können wir zum Positiven beeinflussen, sofern wir das wollen. 😉 Wir könnten uns selbst mit einem Bus vergleichen, indem verschiedene Busbewohner sitzen: z.B. ein wütender, trotziger Typ, ein trauriger, weinerlicher Typ, ein perfektionistischer Typ usw. Je nachdem, was uns im Leben passiert, kann es sein, dass ein anderer Typ und nicht wirklich wir am Steuer unseres Busses sitzen und wir irgendwo hingelenkt werden, wo wir es nicht wollen. Durch unsere Achtsamkeitspraxis üben wir, unser „wahres Selbst“ am Steuer und die anderen neben und hinter uns Platz nehmen zu lassen. Achtsamkeit bedeutet nicht, die anderen Busbewohner zu vertreiben, sondern sie (den eigenen Geist) kennenzulernen und zu akzeptieren („Ach, da bist du ja Wut. Komm, setz dich neben mich“ – anstelle von „Ich bin so wütend, ich fahre jetzt total wild herum mit meinem Bus“).

Okay, Ihr lieben Leute, an dieser Stelle werde ich nun mal einen Punkt setzen, damit es den Rahmen nicht sprengt. Die restlichen Erfahrungen folgen in einem zweiten und dritten Teil. Bald geht es weiter und ich hoffe, ich kann Euer Interesse wecken bzw. aufrecht erhalten 😉

 

vor zu Teil 2 des Berichts

vor zu Teil 3/Ende des Berichts

 

Faktencheck:

Titel: Grundausbildung „Achtsamkeit leben – Achtsamkeit lehren“

Inhalte: Diese Ausbildung vermittelt die Grundlagen achtsamkeitsbasierter Verfahren. Im Vordergrund steht die Seins-Qualität, das Kultivieren der inneren Haltung von Achtsamkeit.

Anbieter: Arbor Seminare

Weiterführende Informationen: https://www.arbor-seminare.de/Basisinformation-Grundausbildung

7 Kommentare zu „Erfahrungsbericht: wie ich den Auftakt meiner Achtsamkeitsausbildung erlebt habe (Teil 1)

    1. Das freut mich, liebe Nelia! Danke Dir! Oh ja, der Vergleich mit dem Bus ist sehr treffend, das find ich auch. Er hat auch vom „inneren Zoo“ gesprochen, bei dem man den Teilen Tiere zuordnen kann (z.B. der Terrier, der unbedingt etwas will). Super, wenn man das ganze irre Kopfkino mit so viel Humor nehmen zu können 😉

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