Erfahrungen aus dem MBSR-Kurs

Drei Viertel meines MBSR-Kurses sind mittlerweile schon vorüber. Ich nutze diesen Beitrag für ein Update, so lange die Eindrücke noch frisch sind.

Ein MBSR-Kurs (mindfulness based stress reduction) dauert klassischerweise acht Wochen und endet mit einem Tag in Stille. An den ersten zwei Kursabenden vermittelte die Kursleiterin die Grundlagen von Achtsamkeit. Kernelement der Achtsamkeitslehre ist es, mehr Bewusstheit in das eigene Leben zu bringen und aus dem „Autopiloten“ an Gedanken, Handlungen etc. aussteigen zu können. Zudem ist dabei die Erkenntnis sehr wichtig, dass Gedanken zwar ein wesentlicher Teil von uns sind, wir aber nicht gleich unsere Gedanken sind. Dieser Unterschied ist sehr wichtig. Die einführenden Übungen waren der Body Scan sowie eine Atemmeditation von 10-15 Minuten, welche wir über zwei Wochen hinweg täglich durchzuführen hatten. Von Anfang an wird einem im MBSR-Kurs nahegelegt, dass regelmäßiges Üben – sei es auch noch so kurz – das Um und Auf ist, um Achtsamkeit im Leben zu kultivieren. So unterzeichnete jeder von uns eine Vereinbarung mit sich selbst, dass wir uns täglich das „Geschenk“ machen, 45 Minuten zu üben. Ich versuche mich so gut ich kann daran zu halten – obwohl im Alltag mit Kleinkind manchmal Abstriche gemacht werden müssen. 😉

 

Yoga gegen Stress und warum formelles Üben so wichtig ist

Ab der dritten Woche übten wir dann Yoga-Übungen sowie Gehmeditationen. Zusätzlich führten wir Tagebuch über angenehme und unangenehme Erlebnisse in unserem Alltag. Auch diese Übung diente dazu, sich zu reflektieren und bewusst zu spüren, was im Körper vorgeht, wenn wir etwas Angenehmes/Unangenehmes erleben.

Woche vier und fünf standen im Zeichen von Stress, wie er entsteht, wie wir darauf reagieren und welche Übungen wir machen können, um aus Stresssituationen „auszusteigen“. Wichtig dabei ist beispielsweise die 3-Minuten-Übung, eine Minimeditation, die uns in stressigen Momenten wieder erden soll. Ich mag diese Übung sehr und wende sie häufig an. Der Fokus auf den Atem hilft mir, mich zu beruhigen und mir Distanz zum Geschehenen (oder Gedachten) zu verschaffen. Es hat für mich tatsächlich eine reinigende Wirkung.

 

Hilfreich gegen Stress ist es auch, sich auf ganz banale Routinehandlungen zu konzentrieren, z.B. achtsam Geschirr zu waschen, zu kochen etc. – denn wenn wir etwas in vollem Bewusstsein tun, können wir uns nicht in unangenhmenen Gedanken und Gefühlen verstricken, die uns Stress verursachen.

Ab Woche fünf stand bei den Übungen die lange Sitzmeditation über 45 Minuten auf dem Programm. Ich schätze diese lange Meditation sehr aufgrund ihrer tief entspannenden Wirkung.

Es ist wunderbar zu sehen, wie sich die formelle Meditation nach und nach auch auf den Alltag auswirkt und es mit zunehmender Übung besser gelingt, in Stresssituationen die Ruhe zu bewahren. Das ist der wahre Grund, warum wir üben!

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Achtsame Kommunikation

Der spannendste Kursabend war für mich bislang der sechste. Dabei ging es um interpersonelle Kommunikation und verschiedene Kommunikationsstile. Anhand von Rollenspielen schlüpften wir in die Rollen „dominant/aggressiv“, „ängstlich/passiv“ und „achtsam“. Es war für mich eine interessante Erfahrung, wie unterschiedlich sich diese Typen anfühlten und wie wohl ich mich in der achtsamen Rolle fühlte, die weder ins eine noch ins andere Extrem klaffte. Wir haben Informationen dazu bekommen, was achtsame Kommunikation ausmacht und wie wir sie üben können, z.B. indem wir uns zunächst selbst bei schwierigen Kommunikationen beobachten und ein Bewusstsein für unser Kooperationsverhalten (weiter)entwickeln.

 

Stimmungen im Kurs

In einem persönlichkeitsbildenden Kurs treffen die unterschiedlichsten Menschen aufeinander. Manche sind einem sympathisch, mit anderen sucht man nicht so sehr das Gespräch und ist froh, dass die Pause im Schweigen stattfindet 😉 Dieses intensive Zusammentreffen im Kurs ist alleine schon eine Übung in Achtsamkeit und Toleranz. Es ist auch sehr verschieden, wie die Teilnehmer den Kurs wahrnehmen. Eine Teilnehmerin ist den Inhalten und Methoden gegenüber sehr kritisch eingestellt und stellt viele Fragen, die für die Kursleiterin nicht immer angenehm sind. Ein anderer Teilnehmer, der im Kurs stark, dominant und etwas besserwisserisch auftrat, kam plötzlich nicht mehr, weil bei ihm so Vieles aufgewühlt wurde. Andere, die anfangs eher ängstlich wirkten, tauten auf und öffneten sich. Und wieder andere – ich eingeschlossen – sind so angetan von den Übungen und Inhalten, dass wir einen weiterführenden Lehrgang besuchen werden.

Ich bin gespannt, welche Erfahrungen ich an den letzten Kursabenden und beim Lehrgang machen werde. Berichte folgen…

5 Kommentare zu „Erfahrungen aus dem MBSR-Kurs

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