Nachgelesen: Metta Meditation von Sharon Salzberg (5)

In der heutigen Nachlese geht es um Mitgefühl (karuna) und Mitfreude (mudita). Sie entstehen aus Liebe (metta) und gehören zu den brahma-viharas, den „erhabenen Wohnstätten“ oder „göttlichen Verweilungszustände“.

Mitgefühl – karuna

In den alten buddhistischen Sprachen Pali und Sanskrit bedeutet „karuna“ ein „Zustand, bei dem man als Reaktion auf das Leiden eines Wesens ein Zittern oder Beben des Herzens verspürt.“ Anders wie oft geglaubt, ist Mitgefühl nicht gleichzusetzen mit Mitleid – denn durch Mitleid schwächen wir uns nur selbst. Geteiltes Leid ist also auch nicht halbes Leid, sondern eigentlich doppeltes Leid!

Mitgefühl ist der Wunsch, dass jeder Mensch/jedes Lebewesen frei von Schmerz sein mögen. Sharon Salzberg verdeutlicht auch, dass Mitgefühl zu haben nicht bedeutet, passiv zu sein, alles zu dulden und dabei auch noch zu lächeln. Mitgefühl ist nicht schwach, sondern die Stärke, die sich aus dem Erkennen des wahren Leidens ergibt. Mitgefühl erkennt das Leiden furchtlos an, sei es in uns oder in anderen; „dann können wir ohne Zögern eine Ungerechtigkeit eine Ungerechtigkeit nennen und entschieden handeln, mit allen Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen.“ Buddha erklärte, dass wir, um Mitgefühl zu erlangen, lernen müssen, „mit ausnahmslos allen Lebewesen in Einklang zu leben.“

Der erste Schritt in der Entwicklung von Mitgefühl ist die Bereitschaft zu sehen, was wahr ist – Leid auf dieser Welt anzuerkennen und ein Bewusstsein dafür zu haben, dass jeder von uns einmal sterben muss. „Wenn wir die Wahrheit des Leidens anerkennen, können wir unser Einssein mit anderen spüren.“ Im zweiten Schritt, der schwieriger ist als der erste, öffnen wir uns dem Schmerz und versuchen uns, auf angemessene Weise auf ihn zu beziehen. Vielleicht geht das nur in kleinen Schritten, nach und nach, weil es sonst zu bedrohlich ist.

Mitfreude – mudita

Buddha nannte mudita „die Befreiung des Herzens durch Freude“. Wir ruhen in mudita, wenn wir uns am Glück des anderen erfreuen, statt neidisch darauf zu sein. Mitfreude gilt als jene der brahma-viharas, die am schwierigsten auszubilden ist, weil es eben so viele einengende Eigenschaften wie Neid, Missgunst, Vergleiche, Geiz, Langeweile etc. gibt. Um Mitfreude zu fördern und entwickeln, empfiehlt Sharon Salzberg sich am Guten in uns zu freuen, d.h. an Momente der Großzügigkeit und Fürsorge in unserem Leben zu denken (wann haben wir etwa bewusst darauf verzichtet, jemanden zu verletzen?). Dies eröffnet uns eine Quelle des Glücks. Wenn wir glücklicher mit uns sind, dann können wir es auch mit anderen sein. Gemäß Buddha wäre es dabei hilfreich, ein gerechtes Leben, ein gutes Familienleben zu führen, einen Beruf auszuüben, den wir mögen, Geduld zu haben und sich mit klugen und warmherzigen Menschen zu umgeben. Wenn wir mudita stärken wollen, dann hilft es, wenn wir Zeit mit Menschen verbringen, die diese Eigenschaft schon haben.

Wieder leitet Sharon Salzberg zu unterschiedlichen Meditationsübungen an, die Mitgefühl und Mitfreude in uns stärken sollen.

Persönliche Einschätzung

Ich musste schlucken, als ich las, dass Buddha zufolge wahres Mitgefühl nur durch den völligen Einklang mit allen Lebewesen möglich wäre. Wer von uns ist schon wirklich mit allen Lebewesen in Harmonie? Wie oft gibt es Streit unter Freunden, in der Familie, oder Kontaktabbrüche, die es manchmal braucht, um sich selbst zu schützen. Sind wir dann nicht empathisch? Wir brauchen doch auch Mitgefühl mit uns selbst? Ich denke, dass wir es so auslegen könnten, dass wir  zunächst gut zu uns sein sollen, solange wir dabei anderen nicht schaden.

Was Mitfreude angeht, erlebe ich es genauso wie im Buche beschrieben: Wenn wir uns glücklich fühlen, dann können wir uns auch mehr am Glück der anderen freuen. An schlechten Tagen fällt das viel schwerer und man neigt eher zu Neid oder Eifersucht. Ich empfinde es auch als großes Glück, mit Leuten zusammen zu sein, die in sich ruhen und sich selbstlos am Glück des anderen freuen können. Da schneide ich mir gerne eine (dicke) Scheibe ab!

Im nächsten und letzten Teil dieser Nachlese geht es um die brahma-vihara Gleichmut (upekha).

Die bisherigen Teile der Nachlese:

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Teil 4

Detailangaben zum Buch:

Metta Meditation. Buddhas revolutionärer Weg zum Glück/ Sharon Salzberg/ 207 Seiten/ Arbor Verlag/ Freiamt 2003/ ISBN 978-3-924195-90-8

Sollte die Autorin oder der Verlag etwas gegen diese Beiträge haben, bitte ich um entsprechende Information. Dann werde ich sie natürlich entfernen und die Notizen lediglich für mich persönlich abspeichern.

2 Kommentare zu „Nachgelesen: Metta Meditation von Sharon Salzberg (5)

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