Nachgelesen: Metta Meditation von Sharon Salzberg (2)

Weiter geht es mit dem zweiten Teil der Nachlese. Ich muss gleich schon vorwegschicken, dass es hiervon einige Teile geben wird.* Ich lese das Buch nun zum dritten Male und habe gegen unendlich viele Passagen darin angestrichen, die für mich wichtig sind. Diese „Perlen“ möchte ich auch anderen mitgeben. Wem es zuviel des Guten ist, der überspringt natürlich wie ihm/ihr lieb ist 😉

Glück erleben durch Akzeptanz von ALLEM, was das Leben mit sich bringt

„Das wahre Glück ist nicht weit, es braucht nur eine radikale Veränderung des Blickwinkels unserer Suche“, so lautet eine Kernaussage in Sharon Salzbergs Buch. Sie bezieht sich dabei auf die Lehre Buddhas und seiner Erkenntnis, dass wir Glück nicht dadurch erreichen, indem wir das Unkontrollierbare zu kontrollieren versuchen (z.B. Leid verdrängen oder etwas Unangenehmes nicht wahrhaben wollen).

Eine solche Suche nach dem ausschließlich Schönen und Angenehmen kann also keinen Erfolg haben. Unsere Sicht wird sehr eng, wenn alles auf eine bestimmte Weise zu sein hat und wir es nicht annehmen können, wie es ist. „Verleugnung wirkt fast wie ein Betäubungsmittel.“ Glück stellt sich dann ein, wenn wir alle Aspekte unserer Lebenserfahrung zulassen und uneingeschränkt akzeptieren. Denn alles im Leben ist der Veränderung unterworfen. Das ist auch die Botschaft des Ying/Yang-Symbols (Kreis bestehend aus einer dunklen und einer hellen Hälfte – jeweils mit einem gegengleichen Punkt):

„Selbst in der tiefsten Dunkelheit ist Licht. Selbst im Herzen des Lichts liegt Dunkel (…) Wenn wir leiden, wenn es uns nicht gutgeht, sind wir vom Schmerz nicht besiegt, vom Lichten nicht ausgeschlossen. Wenn es uns gutgeht und wir glücklich sind, versuchen wir nicht, defensiv die Möglichkeit des Leidens zu leugnen. Diese Ganzheit entsteht, indem wir das Licht ebenso akzeptieren wie das Dunkel und darum in beiden zugleich sein können.“ 

Glück ist also eine Frage davon, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten – ob wir akzeptieren können, was uns das Leben bietet, loslassen können, völlig im Moment sein können.

„Denken Sie daran, wie unberührt der Himmel von den Wolken bleibt, die über ihn hinwegziehen, leicht und wattig oder dunkel und drohend. Der Berg wird vom Wind, der ihn umweht, nicht verschoben, gleichgültig, ob er sanft bläst oder stürmisch. Der Ozean wird nicht von den Wellten auf seiner Oberfläche beeinträchtigt, seien sie hoch oder niedrig. Und so bleiben einige Aspekte unseres Wesens unbeschadet, unabhängig davon, was immer wir erleben. Das ist das tiefe Glück der Achtsamkeit.“

Klingt alles schön und gut, aber wie schafft man es, zu so einer Geisteshaltung zu kommen?, habe ich mich beim Lesen dieser Zeilen gefragt. Die ganz einfache Antwort von Sharon Salzberg lautet:

„Zu dieser Wahrheit gelangen wir durch Meditation, sie ist die Erfahrung der Einheit jenseits von Leid.“

Sich selbst (wieder) lieben (lernen) 

Und zu einem späteren Zeitpunkt im Buch heißt es: „Ein Ding nochmals seine Liebenswürdigkeit lehren“, das ist das Wesen von Metta.

„Durch Liebende Güte kann jeder und alles wieder aus sich selbst heraus erblühen.  (…) (dann) stellt sich das innere Glück auf natürliche und schöne Weise ein.“

Metta ist die erste der vier Brahma-viharas. Aus ihr fließen die anderen – Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut.

Buddha lehrte die Metta-Meditation als Methode gegen Angst. Selbst ein angsterfülltes Denken könne von der Kraft der Liebenden Güte durchflutet werden. „Und ein Denken, das von Liebender Güte erfüllt ist, kann nicht von Angst bezwungen werden; selbst wenn Angst entsteht, wird sie niemals stärker sein als metta. Wenn wir metta üben, öffnen wir uns unablässig der Wahrheit unseres gegenwärtigen Erlebens und verändern so unser Verhältnis zum Leben. Metta – das Gefühl einer Liebe, die nicht an Verlangen gebunden ist und die Dinge nicht anders sehen muß, als sie sind – überwindet die Illusion des Getrenntseins, die Illusion, nicht Teil eines Ganzen zu sein.“ 

Metta hilft uns dabei, unabhängig von äußeren Umständen zu werden. Der liebevolle Geist wird von keiner aufkommenden Emotion überwältigt. Er kann im einen Moment Freude empfinden und im nächsten Kummer, und bleibt dabei immer derjenige, der er ist.

Metta Meditation in der Praxis

In der ersten Übung des Buches geht es darum, für einige Minuten das Gute in sich selbst zu bedenken. Die zweite Übung ist dann die klassische Metta Meditation. Dabei bietet Sharon Salzberg uns an, folgende Sätze der liebenden Güte an uns selbst zu richten.

Möge ich frei sein von Gefahr. Möge ich glücklich sein. Möge ich körperlich gesund sein. Möge ich leicht durchs Leben gehen.

Es steht jedem frei, diese Sätze individuell anzupassen. Dabei ist es gut, in sich hineinzuhören, was stimmig ist und was wir selbst gerade brauchen. Die Sätze werden während der Meditation häufig wiederholt, sie können ausgesprochen oder leise innerlich gesagt werden.

In den weiteren Kapiteln wird die Liebende Güte auch auf andere Personen ausgeweitet. Zunächst wird Metta an Menschen gesandt, die uns lieb sind sowie an neutrale Personen. Später, wenn es uns möglich ist, auch an Menschen, mit denen wir Schwierigkeiten haben. Und schließlich wünschen wir allen Lebewesen auf Erden Gutes.

Im Buch sind die einzelnen Übungen jeweils auf einer bis mehreren Seiten beschrieben. Vorangestellt ist jeweils das Theoriekapitel, welches auch persönliche Schilderungen der Autorin enthält.

Persönliche Erfahrung mit dieser Übung

Ich übe diese Art der Metta Meditation seit mehr als einem halben Jahr. Anfangs täglich ca. 15 Minuten, nun ein bis zwei Mal wöchentlich oder wenn ich das Gefühl habe, es besonders zu brauchen. Das kann auch mal zwischendurch nur für ein paar Sekunden sein, wenn ich mich unwohl oder angespannt fühle. Ich verändere die Sätze situativ, wie ich sie gerade brauche.

Als Mensch, der mit sich selbst gewohnt streng ist, tut mir diese Übung unglaublich gut. Ich bin etwas milder mit mir geworden. Mache ich die Übung einige Zeit nicht, würden sich schnell wieder alte Muster einschleichen, weshalb ich gerne beim Üben bleibe 😉 Es ist für mich auch in Ordnung, dass ich hier viel mehr Zeit damit verbringe, Liebende Güte an mich zu senden, und erst später an andere. Denn erst, wer sich selbst wirklich liebt, kann auch wirklich gut zu anderen sein.

Kürzlich erst ist mir aufgefallen, wie oft meine Psychotherapeutin mir früher sagte, dass ich mir selbst eine „gute Anwältin“ sein soll oder mein „inneres Kind“ umarmen soll, was ich während der Therapie schön fand, aber zu Hause allzu schnell vergaß. Das, was wir bei der Metta Meditation tun, ist jedoch nichts anderes: Wir nähren uns selbst. Wir lernen, uns selbst ein guter Freund zu sein.

Demnächst geht es bei dieser Nachlese weiter…

Die bisherigen Teile der Nachlese:

Teil 1

 

Detailangaben zum Buch:

Metta Meditation. Buddhas revolutionärer Weg zum Glück/ Sharon Salzberg/ 207 Seiten/ Arbor Verlag/ Freiamt 2003/ ISBN 978-3-924195-90-8

*Sollte die Autorin oder der Verlag etwas gegen diese Beiträge haben, bitte ich um entsprechende Information. Dann werde ich sie natürlich entfernen und die Notizen lediglich für mich persönlich abspeichern.

 

10 Kommentare zu „Nachgelesen: Metta Meditation von Sharon Salzberg (2)

      1. Liebe Judith
        Endlich finde ich die Musse dir zu antworten. 🙂
        —–
        Shunyata – die Leerheit (Abschnitt Leerheitsbegriff)
        https://de.wikipedia.org/wiki/Shunyata#Leerheitsbegriff

        Tathata – die Soheit
        https://de.wikipedia.org/wiki/Tathata

        Tat Tvam Asi – Das bist Du
        https://de.wikipedia.org/wiki/Tat_Tvam_Asi
        —–
        Auch sehr interessant:
        Dào – Ich kenne dessen Namen nicht, darum nenne ich es „Dào“.
        (aus Kapitel 25 des Dàodéjing von Laozi)
        https://de.wikipedia.org/wiki/Dao#D.C3.A0o_ist_un.C3.BCbersetzbar

        Und:
        Taiji – Das höchste Prinzip des Kosmos
        https://de.wikipedia.org/wiki/Taiji_(chinesische_Philosophie)

        Gefällt 2 Personen

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