Achtsamkeit erlernen im MBSR-Kurs

Ich habe also mit dem achtwöchigen MBSR-Kurs in einer Gruppe begonnen. Wir treffen uns immer mittwochabends im Privathaus unserer Kursleiterin. Zehn Menschen, verschiedenen Alters, Geschlechts und verschiedener Herkunft kommen hier zum ersten Mal zusammen. Wir sind uns noch fremd, und verfolgen dennoch ein gemeinsames Ziel: achtsamer und gelassener zu werden, richtig meditieren zu lernen. Manche sind auch hier, weil dieser Kurs die Voraussetzung für einen MBSR-Lehrgang ist, der zu eigener Lehrtätigkeit berechtigt. Auch ich überlege mir dies, weil mir die regelmäßige Meditation sehr gut tut und ich diese Erfahrungen eventuell einmal anderen Menschen weitergeben möchte. Doch dazu später mal mehr, sollte ich diesen Weg tatsächlich gehen…

Ich bin überrascht, wie offen wir alle in der Vorstellungsrunde sind und wie persönlich wir unsere Beweggründe für den Kurs schildern – vielleicht weil wir räumlich gerade so nah beieinander sitzen in unserem Stuhlkreis auf 10 Quadratmetern, vielleicht weil wir uns zur Verschwiegenheit über Persönliches verpflichtet haben und uns dadurch in einem sicheren Rahmen wiegen.

Die Kursleiterin gibt uns einige theoretische Inputs zur Methode MBSR und deren Begründer Jon Kabat-Zinn. Sie hat ihn mehrmals persönlich getroffen und ihn als faszinierende Persönlichkeit beschrieben. Ich kann das sehr gut nachvollziehen anhand seiner Bücher und der Vorträge, die ich von ihm gesehen habe. Mich spricht es an, dass er kein „Esoteriker“ oder weltfremder Guru ist, sondern aus der Wissenschaft (Molekularbiologie) kommt und dieses Wissen erfolgreich mit fernöstlicher Meditationspraxis und -philosophie verknüpft hat. Wer mehr darüber wissen möchte, dem kann ich dieses Interview in der Sternstunde Philosophie sehr ans Herz legen:

In unserem Kurs geht es dann gleich los mit der ersten Achtsamkeitsübung, der Rosinenübung. Jeder bekommt eine Rosine in die Hand, die wir zunächst einmal nur ansehen und beschreiben sollen, was wir sehen. Den meisten von uns fällt es schwer, einfach nur bei der Beobachtung zu bleiben, ohne eine Wertung (schön, seltsam etc.) abzugeben. Doch gerade das macht Achtsamkeit aus, dass wir einfach nur die Erfahrung machen ohne ihr eine Bewertung hinzuzufügen. Wir sind also schon mitten im Thema drinnen! Dann fühlen wir die Rosine, ihre Oberfläche, Struktur, Beschaffenheit. Dann riechen wir daran. Und erst nach etwa 15 Minuten essen wir sie schließlich. Es ist wahrlich ein Sinneserlebnis, obwohl es sich nur um eine so kleine Rosine handelt. Die Übung zeigt uns, wie Achtsamkeit unser Leben bereichern kann – wenn wir den Moment bewusst leben und auskosten, hat er unglaublich viel zu bieten.

Nach einer Teepause geht es weiter mit dem Bodyscan. Wir verteilen uns im Raum. Die meisten legen sich in Rücklage auf den Boden, ein paar sitzen, damit sie nicht während der Übung einschlafen. Die Kursleiterin lässt den Gong ertönen und führt uns die nächsten 40 Minuten durch die Übung. Es ist angenehm warm und still im Raum – bis ein Mann neben mir einschläft und zu schnarchen beginnt. Die Kursleiterin zupft ihn am Fuß, sodass das Schnarchen aufhört. Leises Lachen ist zu hören. Mit dem Gong endet die Übung und wir setzen uns wieder in den Stuhlkreis zusammen, um die gemachte Erfahrung zu besprechen. Von „angenehm“, „müde“ bis „oft gedanklich abgeschweift“ sind unterschiedliche Antworten zu hören. Wir bekommen dann die Hausübung, den Bodyscan täglich zu Hause zu üben, bis wir uns in einer Woche wieder im Kursraum treffen. Zusätzlich erhalten wir einige Unterlagen mit Theorie und Hintergrundinformationen, alles schön gestaltet in einer Mappe.

Am Ende des ersten Abends bin ich etwas ernüchtert. Ist das nun alles gewesen? Das kenne ich doch bereits alles aus dem MBCT-Programm (Mindfulness based cognitive therapy – eine Methode, die auf MBSR beruht und mit einem Arbeitsbuch auch alleine, ohne Gruppe, durchgeführt werden kann). Ich hatte mir irgendwie mehr erhofft gehabt. Erst beim Heimfahren wird mir bewusst, dass auch diese Erfahrung ein Teil der Übung ist: die Situation anzunehmen wie sie ist, auch das Enttäuscht-Sein zu akzeptieren und mich ganz der Erfahrung zu öffnen. Ich mag schon Vieles dieser Methode kennen, doch ist sie in der Gruppe praktizieret neu für mich und wird mir zusätzliche Erfahrungen bringen.

To be continued…

5 Kommentare zu „Achtsamkeit erlernen im MBSR-Kurs

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